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Gesammelte Werke von Sebastian Radestock
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(Ich, Prometheus II erscheint,
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Für die Stimmenverwirrung
»What bidimetoloves sinduced by what tegotetab?«
James Joyce, Finnegans Wake
»Wenn alle Wünsche verwelkt sind
werde ich tot sein«
Dorothee Sölle, Fliegen
»Adhaesit pavimento anima mea«
Psalmi 119, 25
wenn sich die Verhältnisse
geändert haben.)
Schlag mir noch einmal die Augen auf, Kind, sage ich. Schlag sie mir auf. Hör noch ein Wort. Mach nicht Grenze der Sprache, wo keine Grenze ist. per amore dei tuoi occhi blu. Aber ich habe es so gewollt. Ich habe darüber hinweggesehen. Diese Angst in mir, diese Angst vor der Menschwerdung - hätte ich sie denn anders, anders tilgen können, besser, anders als auf diese Art? Du nichtiges Stück Mensch. Du Glied der Masse. Du Partikel im Gewühl aus Schweiß, Haß, Gewissenlosigkeit, Exkrement. Verruch. Ich erschrecke vor den Würmern in deinem Blut. Warum ist soviel Falsches in dir? Knote sie auf, die schwarze Schleife, und entfeßle uns aus den Zwängen der Sprachlosigkeit. Stimmenverwirrung . . . Was für grausame Gestalten am Himmel - Wasche dich, und du wirst weißer als der Schnee. Lege ab den Schmutz. Und auch ich will dem folgen. Erinnerst du dich noch, wie ich damals allein auf den Gipfeln der einjährigen Berge stand, das Augenlicht der Sterne stahl, das flackernde, und wie dann der Stein plötzlich begann hinaufzurollen, just als mein Werk vollendet, in mein Auge, so schnell, so fest - Umarme mich, Tote, umarme mich. Jetzt endlich gehörst du mir, endlich voll und ganz, denn ich habe dich entrissen aus den trübenden Reden der blitzenden Gottheit. Umarme mich, Tote, umarme mich. Dich möchte ich nicht missen... niemals mehr. So lieblos bist du - Fühlst du dich gut? Ja? Fühlst du dich jetzt besser? Wohlung in den Gelenken der Wundershübschen. Ich erkenne dein wahres Gesicht. Hinter uns liegt das Tor der östlichen Strahlen. Verstahlt, Pandora, die Dose. Der Weg da durch ist unser Weg, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als wir noch daran glaubten, diesen einen gemeinsamen Weg zu haben. Endlich. »Ich, Prometheus, habe einen alten Freund verloren und einen neuen Freund gewonnen. Im Tal klirrt Eisen an Eisen, ein verfunktes Geschmier aus Streben und Zerren. Meine Tritte aus Stahl ankern sich tief in das Wuchern der fremden Kälte. Hinter uns liegt der Weg. Schon seh' ich droben uralisches Flimmern. Ein Streben, ein Zerren, ein Splitter in mir, ein Splitter von dir. Was hat noch Zweck? Ich war auf der Suche nach der Krone des Lebens, doch sie war mir verwehrt. Mein Dasein stellte sich gegen mich, keine Macht konnte meinen Leib noch hüllen. Wie leichtbesinnt du doch warst, Pandora, meine Geliebte, jenen blitzenden Fremden als Vater zu sehen. Du hast Würmer im Blut. Zeus hat gezwungen das arme Kind, Unheil über die Menschen zu bringen: Sie und ihr Glanz und ihr trughaftes Lachen. Alles war eine Lüge, fadenscheinig, verwickelt in Lebern aus Sand. Ein letztes Mal noch lieb ich und hebe ihr das Lid und schaue sie an, wie sie da liegt und weint und Schmerzen gebiert. Das Klirren geht weiter, fällt stein und steinab, vorbei an feuernden Menschen, züngelnden Häuptern, vorbei an den Grauen der Werdung. Wir durchwandern das Lager von Lehm, den Nabel der Welt. Oh, ihr Wälder, lauscht meinen Gesängen und den Gesängen der schwarzen Schleife. Ich sehne nach oben. Und du, Kind, was sehnst du so talwärts? Träum nicht davon, die Gaumenwasser zu trinken, denn die Flut ist zu tief. they expect you to be free. Wir sind auf der Reise, auf der Flucht vor den Wächtern agapeischer Mausoleen. Nichts mehr darf mich hindern, mein Werk zu vollenden, den Adler zu schießen, den zeus'schen, die Menschen zu erlösen, im uralischem Gewölk. Nichts darf mehr halten mein Lichterloh. Bett aus Stein. Urgöttliche Abnorm einer Verdrehung. Von Menschenhand geformt und geschustert, manierlich. Lege dich, Kind, sage ich, lege dich hin zum Schlafe. Doch Pandora ist tot und schläft nicht mehr. Wie habe ich sie geliebt, ihre Augen, ihre Brüste. Doch nur kurz. Und nun ist alles vergangenen, alles verflogen, mit erzenen Flügeln nach Abwärts. Adler, kehr' heim zu deinem Nest - prometheus,
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Ich bette dein Fleisch in das Meer von Gerüchen.
Du schenktest mir zum Abschied eine schwarze Schleife. Du öffnest die Faust und gräbst den Finger noch tiefer in deine Achsel.
Doch kein Hören, kein Augenschlagen kommt aus der Leblosen. Sie liegt da, in meinen Armen, weich und noch warm. Ihr Kleid ist voll Blut. Voll Blut, welches aus ihren Öffnungen heraustropft, zäh und klebrig.
Sie lebt in anderen Welten, entflieht meiner Gewalt, meinem Einfluß. Auch ich will jetzt leben, wo du lebst, sage ich, auch ich will jetzt dort leben, dort in der Fortheit, im Tod, um wieder mit dir zu sein, um den ganzen Schauder wieder von vorne beginnen zu lassen, Pandora, meine Geliebte, die du mich hast stürzen lassen in den Schlund der urwüchsigen Echse.
Ich weiß nicht, was mir lieber ist. Ob der Wahnsinn, mit dir lebend, oder ob der Brustschmerz, jetzt, wo du tot. Die Erwartungshaltung meiner Seele, meiner Organe, ist nicht auszulöschen. Das Erwarten bleibt, frißt mich von innen heraus auf, bis ich skelettlos bin, leer, ausgehöhlt, und vegetativ.
Lösche aus den Schmerz in meiner Brust, Kind. Rege dich doch, erlöse mich, so wie auch ich dich habe befreit.
Die Todesfurcht lag tief in deinen Blauen.
Und auch mich wolltest du erniedrigen. Doch ich konnte dem Stich deiner Wimper entfliehen durch die Verhärtung meiner Haut. Du Botin der Blitze.
Wie ich das alles verabscheue, wie das alles Ekel in mir erzeugt, und Angst. Angst davor, meine Göttlichkeit aufgeben zu müssen.
Die apokalyptischen Reiter auf Seidenpapier. Propheten meines Glaubens, meiner Überzeugung, meiner Philosophie.
Phlsph.
Ich mache mich auf, heimwärts, in andere Welten. Ich öffne mich. Der Wind zieht in mich und mir nach, hindurch durch das Tor der östlichen Strahlen.
Hör auf so dunkel zu bluten, mein Kind. Ich schreie empor in dein Ohr. Meine Zunge verklebt zwischen deinen Lippen aus Blaubeer.
Hör auf so dunkel zu bluten -
Es wird Zeit, die Stimmen zu ordnen, das Wort zu filtern, die Sprache zu finden für das Klare.
Es stach mir den letzten Funken verständiger Liebe aus der Seele und zersprengte sie in viele tausend Stücke. Da erschrak jener neue Gott über mich, über seinen Nagel, hatte Mitleid, nahm die Nacht und band meine schizophren gewordene Seele wieder zusammen, in einem Aufruhr von Sorge und Übermacht. Er bündelte meine Existenz, so daß ich wieder konnte denken und atmen und sehen.
Und ich, und ich habe sie dir geschenkt, meine sehnende Seele, die fast zerbrochen wäre, meine Seele, an die Gott selbst Hand angelegt hat.
Doch - was für grausame Gestalten am Himmel.
Du dummes Kind, du schenkst mir die schwarze Nachtschleife wieder zurück, verzichtest auf mein Geschenk, auf mein Stückchen Seele. Gibst sie zurück, reißt sie wieder von deiner Brust, zitternd, mit klirrender Hand, und aus deinem Mund quillen seidene Lügen, die sich zu Papier verweben, verspinnen, verrinnen, vondinnen. Nährboden für die Stunde der Wahrheit.
Pandora, die Dose.
Zeus, droben, mit dem Schlächtermässer, der wütet, daß es spritzt und trieft. Hör' doch auf, Mörder, niet mich nicht ans Kräuz, hörst du denn nichten? Niet mich nicht ans uralische Kräuz.
Ich werde aufstehen und mich hüllen.
Doch was?
Ich schüttele dich, und das Blut, welches aus dir herausfließt, bahnt den Weg, macht ihn frei von Staub und Geröll. Frei von all' dem Haß deiner Menschen. Wie haßlich, wie haßlich.
Der Weg ist frei. Freigeflutet, freigeblutet, ach, wie romantisch, Zeus, sic non? Frei für unsere Zukunft. Nur den Wegrand säumt der Dreck, der sich mit dem Harz der Lüfte vereint zu gelber Kälte.
B-e-r-n-s-t-e-i-n
Am Himmel sind keine Wolken mehr, da öffnet sich alles. Strom fließt empor in die Finger jenes Gottes, den ich so sehr gesucht und nie gefunden habe. Welche Macht ist es, die jenen Gott herausgefordert hat, die Burg zu verlassen, das Schloß?
Ich mache mich auf die Reise, auf die Flucht, um wieder Frieden zu finden.
Und meine braunen Augen glänzen, wenn ich das sage. Ja, sage ich, ich bin Prometheus, ein Mann, ein König, der wieder auf der Suche nach dem Land des Lebens ist. König von Hellas. Und mein Reich ist das Reich der Stimmenverwirrung. Und mein Haus ist der Ural, den mir die Menschen aufgeschichtet haben, um mich gottgleich werden zu lassen.«
Und in den Händen halte ich noch immer den duftenden Leib der grausamen Schönheit.
Mein Auge sieht Kämpfen.
Ich hätte mich nicht mit den Menschen einlassen sollen.
Glücklichkeitswähnen, um hinwegzutäuschen über das nahende Ende der Welt.
Schreie nur! Und weine! sage ich. Der König der Stimmenverwirrung hat kein Mitleid mehr mit dir. All' seine Liebe ist furbay. Seine Glut ist abgekühlt, und aufgelöst haben sich seine Schwellungen.
Jene Zeiten sind vergangen, jene Zeiten, in denen der Mond, voll, auf die See schien, auf das Meer zwischen Skylla und Charybdis, und mir und dir leuchtete den Weg ins Verderben, in die flüsternden Höllen der Abhängigkeit.
Die See, so still, so salzt nicht mehr.
Schlaf -
Und der Eiter schwebte über den Wassern, und ich.
Ich habe geschaffen, nicht gezeugt.
Pandora, warst schwanger, schwanger von Gott, schwanger mit mir.
Was ist das für eine Verwirrung der Sprache -
Schwanger mit mir. Die einzig wahre Beziehung zur Frau. Die innigste, denke ich. Tief in dir drin, haarlos, geschlechtslos.
Komm! Laß uns gemeinsam vereint sein, zur Hölle fahren!
Wälder, lauscht dem Rauschen des Styks.
In deinem Blut habe ich mein Gewand gewaschen.
Auf den uralischen Bergen drohen schneeweiße Hände.
wo ist deine leber?